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Das Fehlermachen führen – Wie Führungskräfte eine Fehlerkultur etablieren

Digitalisierungsberater und Experten für neue Arbeit sind sich einig: Eine neue Fehlerkultur braucht das Land! Nur dann trauen sich Menschen etwas, werden kreativ und entwickeln innovative Produkte, so das Credo. Wer Angst vor‘m Fehlermachen hat, ist blockiert, traut sich nichts, macht „business as usual“ – und das kann kein Unternehmen gebrauchen, das in einer globalisierten und digitalisierten Welt ständig Gefahr läuft, von anderen überholt zu werden.

Das Fehlermachen führen – Wie Führungskräfte eine Fehlerkultur etablieren

Veröffentlicht: 25.05.2020
Von: Ute Klingelhöfer für achtwert

Digitalisierungsberater und Experten für neue Arbeit sind sich einig: Eine neue Fehlerkultur braucht das Land! Nur dann trauen sich Menschen etwas, werden kreativ und entwickeln innovative Produkte, so das Credo. Wer Angst vor‘m Fehlermachen hat, ist blockiert, traut sich nichts, macht „business as usual“ – und das kann kein Unternehmen gebrauchen, das in einer globalisierten und digitalisierten Welt ständig Gefahr läuft, von anderen überholt zu werden.

Doch, was ist das eigentlich, eine Fehlerkultur? Irren ist menschlich, besagt ein bekanntes Sprichwort. Wo gehobelt wird, fallen Späne, ein anderes. Und wenn ein Mitarbeiter einen Fehler macht oder entdeckt, gehört es da nicht zur Kultur, diesen Fehler zu melden und auch ein Stück Kritik vom Chef einzustecken?! Wie soll man denn sonst daraus lernen?!

Fehlerkultur – ein Definitionsversuch

Hand aufs Herz: Würden Sie sich ohne Erfahrung an ein neues Projekt wagen, wenn Sie wissen, Ihr Chef bestraft Sie für jeden Fehler? Mit Sicherheit nicht.

In einer positiven Fehlerkultur herrscht das Bewusstsein, dass Fehler vermieden werden sollten. Gleichzeitig haben die Menschen aber auch keine Angst davor, überhaupt Fehler zu begehen. Denn nichts verhindert Innovationen mehr, als die Befürchtung, etwas falsch zu machen. Angst lähmt, führt zu Risikovermeidung und blockiert jegliche kreative Energie.

Gibt es in einem Unternehmen eine positive Fehlerkultur, merkt man dies u. a. daran, dass sich die Mitarbeiter trauen, Fehler einzugestehen. Sie fürchten weder die Reaktion ihrer Kollegen, noch die ihrer Chefs. Fehler werden zum Anlass genommen, daraus zu lernen. Denn darum geht es schließlich: Den gleichen Fehler nicht zweimal zu machen. Doch wie kommen Sie als Organisation dahin?

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser – Wie eine positive Fehlerkultur entstehen kann

Als Führungskraft sind Sie Vorbild für Ihre Mitarbeiter. Ihr Verhalten wird von Ihren Mitarbeitern nachgeahmt. Wie Sie selbst mit einem Fehler umgehen, hat wesentlichen Einfluss darauf, wie Ihre Mitarbeiter das Thema Fehlermachen handhaben werden. Das Thema muss deshalb „ganz oben“ aufgehängt werden.

7 Tipps für Führungskräfte für eine positive Fehlerkultur im Unternehmen

  1. Hinterfragen Sie Ihre Einstellung zu Fehlern
    Für eine positive Fehlerkultur ist zuallererst eine Überprüfung Ihrer Einstellung notwendig. Fehler müssen als das gesehen werden, was sie sind: Ein notwendiges und nützliches Zwischenergebnis auf dem Weg zu etwas Neuem. Denn das Fehler zum Erfolg führen, weiß jeder, der die Geschichte von der Erfindung der Glühlampe kennt. Thomas Alva Edinson ließ sich nie ermutigen und sagte stolz, er habe bei seinen vergeblichen Versuchen, eine Glühlampe herzustellen, tausende Wege kennengelernt, wie es nicht geht. Dieser positive Umgang mit der eigenen Fehlbarkeit, gepaart mit seiner Fähigkeit, nicht lockerzulassen und der Neugierde darauf, den richtigen Weg herauszufinden, ließen ihn stundenlang mit verschiedenen Drähten experimentieren und schließlich die Glühlampe entdecken. Als Führungskraft brauchen Sie die gleiche Einstellung wie Edison: Erst wer aufgibt, hat wirklich einen Fehler gemacht.
  2. Geben Sie Ihre eigenen Fehler offen zu
    Reflektieren Sie Ihren eigenen Umgang mit Fehlern: Versuchen Sie, Fehler vor anderen zu vertuschen? Beurteilen Sie sich selbst negativ, wenn Sie einen Fehler gemacht haben? Stellen Sie direkt die Schuldfrage? Oder machen Sie sogar andere für Ihre Fehler verantwortlich?
    Wenn Sie selbst Fehler gemacht haben, ist dies eine wunderbare Chance für Sie, Ihrem Team vorzuleben, wie Sie sich den Umgang mit Fehlern wünschen: Gestehen Sie den Fehler ein und übernehmen Sie Verantwortung dafür, ohne sich selbst dafür fertigzumachen. Gehen Sie in den Austausch mit anderen und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie eine Wiederholung des Fehlers vermeiden können.
  3. Bestrafen Sie Fehler nicht.
    Wenn ein Fehler gemacht wurde, bestrafen Sie diesen nicht. Versuchen Sie, sich mit emotionalen Ausbrüchen und Beschuldigungen zurückzuhalten. Bedanken Sie sich bei Ihrem Mitarbeiter, wenn dieser von selbst auf Sie zukommt und Verantwortung für sein Tun übernimmt. Honorieren Sie seine Offenheit und fördern Sie lösungsorientiertes Denken.

    Fragen Sie: Was können wir daraus lernen? Ihre Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, über Fehler reden zu können, ohne gleich den Druck zu verspüren, sich rechtfertigen zu müssen.

    Signalisieren Sie Ihrem Team klar, dass der Versuch, Fehler zu vertuschen, ein viel größerer Vertrauensbruch ist als wenn etwas schiefgeht.
  4. Fördern Sie den Austausch im Team
    Fehler können schon dadurch vermieden werden, dass Menschen nicht allein in ihrem stillen Kämmerlein arbeiten. Zusammenarbeit in einem diversen Team bringt nicht nur innovativere Produkte hervor, sondern hat auch den Nebeneffekt, dass Fehler von Anfang an vermieden werden, weil Ihr Team auf breit gefächerte Erfahrungen zurückgreifen kann.

    Beziehen Sie auch selbst immer wieder die Meinung Ihrer Mitarbeiter mit in Ihre Entscheidungen ein, und positionieren Sie sich klar gegen Einzelkämpfer.
  5. Üben Sie Fehlertoleranz, ohne mehr Fehler zu machen
    So mancher könnte das Wort „Fehlertoleranz“ falsch verstehen. Je nach Branche und Bereich können selbst kleinste Abweichungen zu hohen Kosten führen. Stellen Sie klar, dass tolerant mit Fehlern zu sein, nicht heißt, noch mehr Fehler machen zu dürfen.

    Machen Sie Ihren Mitarbeitern deutlich, dass das, was Ihr Unternehmen weiterbringt, die Fähigkeit ist, Fehler frühzeitig zu erkennen und zu melden, um Folgekosten zu vermeiden.
  6. Selbstannahme statt Perfektion
    Gerade weil wir Menschen anerkannt werden und dazugehören wollen, sind wir so darauf getrimmt, alles perfekt zu machen und Fehler um jeden Preis vermeiden zu wollen. Zur Vermeidung von Fehlern braucht es gar keine Bestrafung oder den Wutausbruch einer Führungskraft.

    In jedem gesunden Menschen ist veranlagt, dass er einen Fehler wiedergutmachen bzw. nicht zweimal machen möchte. Unterbinden Sie daher jegliche kritische Bemerkung gegenüber Mitarbeitern, denen ein Fehler passiert ist.

    Im Gegenteil: Ihre Mitarbeiter brauchen nach einem Fehler umso mehr das Gefühl, wertvolles Mitglied Ihres Teams zu sein. Fokussieren Sie sich auf die Stärken des Mitarbeiters und äußern sie diese deutlich gegenüber dem Betroffenen und dem Rest des Teams.
  7. Feiern Sie die Fehler im Team
    Es muss ja nicht gleich eine Fuck-up-Night mit persönlichen Berichten des Scheiterns sein, aber eine Art „Best-of“-Liste der Fehler des Monats kann im Team durchaus zu mehr Zusammenhalt führen.

    Wer über seine Fehler lachen kann, anstatt sich selbst dafür fertigzumachen, profitiert davon gleich doppelt: Erstens kommt man so schneller wieder in den kreativen Flow zurück und kann an Lösungen arbeiten. Zweitens senden Sie damit ein positives Signal an die Außenwelt: Hier wird keiner einen Kopf kürzer gemacht, nur weil etwas schieflief. Über Fehler darf offen gesprochen und gelacht werden.

Fördern und motivieren statt Angst schüren und überwachen

Als Führungskraft ist es Ihre Aufgabe, für das Umfeld zu sorgen, in dem sich Ihre Mitarbeiter frei entfalten und ausprobieren dürfen. Nur dann können neue Ideen und innovative Produkte für Ihre Kunden entstehen.

Was Angst und Überwachung mit Mitarbeitern macht, kann man häufig im Servicebereich erleben, wenn Mitarbeiter auf einen besonderen Kundenwunsch mit „das geht nicht“ antworten. Diese Aussage ist Ergebnis eines Führungsstils, in dem Eigenverantwortung unerwünscht und Fehler verboten sind. Wenn aber die Führungskraft nicht vertraut, traut sich der Mitarbeiter auch nicht, mit kreativen Lösungen auf den Kunden zuzugehen. Der Leidtragende ist der Kunde und schließlich Ihr Unternehmen, über das negativ gesprochen wird.

Deshalb braucht ein modernes Führungsverständnis auch eine positive Fehlerkultur. Als Führungskraft liegt es an Ihnen, diese einzuführen, vorzuleben und sich immer wieder selbst zu reflektieren – auch wenn Sie dafür Ihre Komfortzone verlassen müssen.

Ob Ihnen das gelingt, können Sie ganz einfach am Verhalten Ihrer Mitarbeiter ablesen: Wird versucht, Fehler möglichst lange zu vertuschen oder werden diese offen angesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht?

Gerne unterstützen wir Sie dabei, eine positive Fehlerkultur in Ihrem Unternehmen zu etablieren.

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